Traditionelle Chalets

Die traditionellen Chalets haben viel Charme

Chalet-Stil – Woher stammt er?

Freizeit Die Gebäude der Tourismus Region Saanenland wurden und werden im Chalet-Stil erstellt. Der Baustil ist in unserem Baureglement fest verankert. Und das aus gutem Grund.

Michael Tschanz

Sie sind eines der unverkennbaren Merkmale des Gstaader Saanenlands: Die Chalets. Der Chalet-Stil geht aus den traditionellen bäuerlichen Bauten hervor, welche schon seit vielen Jahrzehnten durch das regional vorhandene Material Holz und das Satteldach charakterisiert wurden. Die Gebäude waren jeweils auf ihre ganz bestimmte Nutzung ausgelegt.

Der aufstrebende Tourismus verlangte nach Unterkünften. Die Holzbauten wurden entsprechend grösser, wobei die neuen Grand-Hotels aus Stein erstellt wurden. Während des grossen Booms im Alpin-Tourismus um 1960 wuchsen viele Destinationen so rasant, dass enorme Betonbauten in den alpinen Raum gepflanzt wurden.
 
Schweizer Chalet im Schnee
 
Das Saanenland reagierte mit einem strikten Baureglement, worin der Chalet-Stil als einzig mögliche Bauart definiert wurde. In diesem Reglement ist das «Chalet» genau definiert: Länge, Breite, Höhe, Proportion, Dachform und Dachneigung, sowie die von aussen sichtbaren Materialien sind festgehalten. So entstand das Einheits-Chalet, welches bei Touristen bis heute hohes Ansehen geniesst.

Keine Bausünden

Seither wird mit wenigen Ausnahmen (z.B. für öffentliche sowie Industriebauten) jedes Gebäude ähnlich erstellt. Durch die konsequente Anwendung konnten Bausünden wie zu grosse Wohnkomplexe und Materialschlachten, wie sie zum Beispiel in den französischen Alpen vorkommen, verhindert werden. Das Saanenland gedeiht seither mit seinem Baustil aus Holzfassaden. Die Gäste der Region schwärmen von den lieblichen Chalet-Kompositionen und fühlen sich darin geborgen.

Obwohl die starke Regulierung das Tal vor baulicher Verschandelung bewahrte, hat die Vereinheitlichung auch ihre Schattenseiten. Immer mehr alte Gebäude (vor 1900) mit Charakter und Geschichte gehen verloren, werden von den reglementierten Neubauten ersetzt oder gehen neben grösseren Neuchalets unter – das heisst, sie werden verdeckt und deshalb nicht mehr wahrgenommen.
 
Schweizer Chalet mit Blumen in Grindelwald
 
In den Dörfern ist ein Verlust der Vielfältigkeit zu beklagen. Der vorhandene Charakter droht zu verschwinden. Durch den Versuch, sämtliche Nutzungen (öffentliche Bauten, Zweckbauten, etc.) in ein und dasselbe Chalet-Gewand zu zwängen, entstehen zuweilen bizarre Formen und Grössen.

Die Zukunft verlangt Veränderungen

Für eine zukünftige, nachhaltige und touristische Entwicklung sollten die vielen positiven Erfahrungen mit den reglementierten Chalets zusammen mit einer gewissen Öffnung des Systems gepaart werden. Die Vorschriften brauchen eine Anpassung, sodass eine grössere Vielfalt und dem Zweck entsprechende Gebäude entstehen können.

Der Holzbau – eine Entwicklung über Generationen. Das Chalet – eine Institution unserer Region. Gepaart mit Innovation – ein Versprechen an die nächsten Generationen.

Die Anlehnung an die traditionellen, bäuerlichen Bauten sollten wieder vermehrt in den Vordergrund rücken und Anforderungen bezüglich Energieeffizienz, Nutzung und Verdichtung miteinbezogen werden.